"Gisa Klönne entwickelt Charaktere von beklemmender Authentizität. Eine fesselnde Lektüre."

Hamburger Abendblatt

Interview

Wo das Böse lauert ...

Gisa Klönne im Interview mit Angela Reinhardt, Redaktion Abebooks, über ihr Romandebüt DER WALD IST SCHWEIGEN.

Angela Reinhardt: Die Ermordeten in ihrem Buch sind ganz schrecklich zugerichtet ...

Gisa Klönne: Ja, das kann man wohl sagen.

Angela Reinhardt: Haben Sie sich die mörderischen Details selbst ausgedacht oder nach wahren Verbrechen recherchiert?

Gisa Klönne: Ich habe mir das schon ausgedacht. Allerdings habe ich natürlich vorher recherchiert, wie beispielsweise eine Leiche aussieht, die ein halbes Jahr im Schlamm gelegen hat. Für solche Informationen gibt es ziemlich gute Handbücher, die die Polizei zur Ausbildung benutzt. Außerdem hat mir ein Rechtsmediziner mit großer Freude alle Fragen beantwortet und mir auch Fotos gezeigt hat.

Angela Reinhardt: In Ihrem Krimi spielt eine junge Försterin eine wichtige Rolle. Haben Sie bei der Recherche für das Buch auch echte Förster getroffen?

Gisa Klönne: Oh ja, ich habe viele Försterinnen getroffen. Ich war früher Umweltjournalistin und fragte mich eines Tages: "Warum gibt es eigentlich keine Försterinnen?" Ich habe dann recherchiert und entdeckt, dass es sogar ein Forstfrauennetzwerk gibt. Das fand ich sehr spannnend und habe mehrere Artikel zum Thema geschrieben. So entstand auch die Idee "Komm, lass auch noch eine Försterin mitspielen!" Ich habe dann eine junge Försterin gefunden, die im Bergischen Land arbeitet und mit der habe ich mich dann lange unterhalten und bin mit ihr durch den Wald gegangen.

Angela Reinhardt: Ist es nicht ironisch, dass ausgerechnet Sie als ehemalige Umweltjournalistin "Ihren" Wald im Krimi jetzt so schlecht wegkommen lassen - als einen Ort, wo das Böse lauert und schreckliche Dinge geschehen?

Gisa Klönne: Das finde ich im Gegenteil sogar sehr nahe liegend. Wir romantisieren die Natur doch erst, seitdem sie den Bach runtergeht. Früher war das anders: Im Mittelalter gab es zum Beispiel viel weniger Wald als heute, alles wurde abgeholzt für Brennholz, es gab ja keine anderen Energiequellen. Erst als die Fürsten und Herzöge merkten, dass ihre schönen Jagdreviere verschwanden, haben sie angefangen, den Wald einzuzäunen und damit für das gemeine Volk zu einem geheimnisvollen Ort zu machen. Je mehr der Wald nicht mehr frei für jedermann war, umso mehr ging es dann auch los mit der verklärenden Darstellung des Waldes in der Kunst, in der Lyrik und im Roman. Bei aller Romantik halten wir es als zivilisierte Menschen jedoch nicht mehr aus allein im Wald. Gerade nachts, wenn es da raschelt, bekommen wir Angst.

Angela Reinhardt: Es ist ja auch eine oft gehörte Nachrichtenmeldung: Regelmäßig heißt es "die Leiche wurde im Wald gefunden", zumeist von Spaziergängern, Joggern, spielenden Kindern - oder eben von Förstern.

Gisa Klönne: Es ist tatsächlich für Förster ein anerkanntes Berufsrisiko, Leichen zu finden. Das liegt daran, dass die Leute immer denken, im Wald könne man alles verschwinden lassen. Und das auch, obwohl der Wald in der Nähe einer Millionenstadt wie Köln ist.

Das vollständige Interview ist im November 2005 bei www.abebooks.de erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Angela Reinhardt, Redaktion Abebooks.