"Gisa Klönne entwickelt Charaktere von beklemmender Authentizität. Eine fesselnde Lektüre."

Hamburger Abendblatt

Interview

VON TAROT, MUSIK UND ANDEREN INSPIATIONSQUELLEN

Michaela Pelz, Chefredakteurin von www.krimi-forum.net interviewt GISA KLÖNNE im Februar 2008. Das vollständige Interview steht hier: www.krimi-forum.net

Krimi-Forum: Frau Klönne, haben Sie sich heute schon die Tarotkarten gelegt? Und was kam dabei heraus?

Gisa Klönne: Nein, habe ich nicht. Sorry.

Krimi-Forum: Sie ahnen natürlich den Grund der ersten Frage: Für Ihre Heldin, die Kölner Kommissarin Krieger, spielen diese Karten und ihre Aussage eine ganz zentrale Rolle. Daher interessiert uns natürlich, ob dies einer (gewollten?) Ähnlichkeit zwischen Protagonistin und Autorin zuzuschreiben ist, oder ein Kunstgriff, um die Person Judith Krieger besonders plastisch zu beschreiben. Was trifft zu?

Gisa Klönne: Stimmt schon, Ich lege tatsächlich hin und wieder Tarot, das hat Judith also von mir. Allerdings – und da beginnt die Fiktion – legt Judith die Karten häufiger als ich. Judith ist ja bei ihrem ersten Fall (DER WALD IST SCHWEIGEN) mit dem Tarot konfrontiert worden. Zu ihrem Ärger verrieten ihr die Karten damals Wahrheiten über sich, denen sie am liebsten ausgewichen wäre. Seitdem legt sie hin und wieder Tarot, beinahe so ein bisschen wie bei einem wissenschaftlichen Versuch, so nach dem Motto: Kann doch nicht sein, dass die dämlichen Karten mir irgendwas sagen. Sie ist also fasziniert und versucht dennoch, den Karten nicht zu viel Macht einzuräumen. - Den Karten ist das aber egal, sie belügen Judith nie.

Krimi-Forum: Krieger raucht, trinkt (nicht exzessiv, aber schon mal mehr als am nächsten Tag gut für sie ist), besitzt einen gewaltigen Dickschädel, wenn sie glaubt, auf einer heißen Spur zu sein, eckt im zwischenmenschlichen Umgang immer wieder (teilweise auch ungewollt) an und hat jede Menge Leichen aus der Vergangenheit im Keller. Wie viel von dieser komplexen Figur steht schon seit dem ersten Band der Reihe fest, wie viel und vor allem was hat sich beim Schreiben entwickelt?

Gisa Klönne: Ziemlich viel von Judiths Persönlichkeit stand schon von Anfang an fest – es wäre ja auch unglaubwürdig, wenn sie sich aus heiterem Himmel vollkommen verändern würde. Ich wollte eine Heldin mit Brüchen und Kanten. Eine Frau, die Narben und Ängste hat. Die stark ist, obwohl – oder gerade weil – sie auch sehr verletzlich ist. Dennoch ist meine Krimiserie mit Judith eine Entwicklungsreise mit offenem Ende. In jedem Roman zwingen die Ereignisse sie, sich zu verändern, weiterzuentwickeln. Genau so ergeht es ihrem Kollegen Manni Korzilius.

Krimi-Forum: In wieweit lassen Sie sich – vor allem für Ihre beeindruckenden Frauenfiguren – von realen Vorbildern inspirieren oder, anders gefragt: Treffen Sie jemanden und denken „DIE muss unbedingt in meinem Buch vorkommen!“ oder haben Sie eine ungefähre Vorstellung und begeben sich dann, ganz Journalistin, auf die Suche nach einer konkreten Person, an der Sie sich orientieren können?

Gisa Klönne: Nein, niemals. Ich recherchiere journalistisch: Fakten, Themen, Atmosphären. Ich lasse mir zum Beispiel sehr detailliert vor Ort die Arbeits- und Lebenswelt einer Künstlerin, Försterin, Rechtsmedizinerin zeigen, versuche zu begreifen, was typisch für dieses Leben ist. Aber als Schriftstellerin empfinde ich es dann als meine Aufgabe, aus diesem Material eine fiktive Geschichte zu erfinden – mit fiktiven Figuren.

Krimi-Forum: In „Nacht ohne Schatten“ geht es unter anderem um Prostitution und es wird in diesem Zusammenhang ein Großbordell beschrieben. Im Nachwort sagen Sie, dass dieses nicht existiert. Nach welcher Vorlage haben Sie dann das „Laufhaus Amor“ und seine BewohnerInnen gestaltet?

Gisa Klönne: Es gibt in Köln durchaus ein großes Laufhaus – wie auch in anderen deutschen Städten und Regionen. Es ging mir jedoch nicht darum, ein bestimmtes Bordell in den Vordergrund zu stellen, sondern das System der Ausbeutung zu zeigen, das hinter der so genannten Sexindustrie steht. Deshalb habe ich das „Amor“ erfunden und mit Zutaten aus diversen Etablissements dieser Art ausgestattet. Recherchiert habe ich die sowohl im Internet, als auch mit Hilfe von Informanten. Vor allem eine Kölner Streetworkerin hat mir sehr geholfen und Einblick hinter die Kulissen gegeben.

Krimi-Forum: Auch ein weiteres Haus spielt eine Rolle – die „Kunstfabrik“, in der ganz unterschiedliche Kreative ihre Ateliers haben. Welcher Ausrichtung gehört Ihr Herz bzw. wären Sie lieber Bildhauerin, Malerin oder würden Sie Ihrer Phantasie gern in Form von Videoinstallationen freien Lauf lassen?

Gisa Klönne: Ich würde wohl malen. Das hab ich sogar früher hin und wieder getan. Allerdings mit Ergebnissen, die ich lieber nicht in einer Ausstellung präsentieren möchte.

Krimi-Forum: Woher kennen Sie die Geschichte und Seele der Figur der russischen Rechtsmediznerin Ekaterina so gut?

Gisa Klönne: Meine Verbindung zu Ekaterina ist sehr emotional, beinahe instinktiv. Ekaterina war mir von Anfang an sehr nah, fast so, als gäbe es sie wirklich, keine Ahnung, warum. Ich wusste auch sofort, dass sie aus Russland stammen muss, schamanische Wurzeln hat – und eine traumatische Geschichte von Verfolgung und Unterdrückung. Da spielten sicher frühere Recherchen als Reisejournalistin in Russland eine Rolle. Zugleich fand ich es sehr reizvoll, mit Ekaterina eine Frauenfigur zu entwickeln, die mit unseren westlichen Idealen von Emanzipation und Frauenrollen nichts am Hut hat. Da kam dann wieder die Planerin in mir durch.

Krimi-Forum: Wird sie uns in weiteren Bänden erhalten bleiben? Überhaupt: Wie geht es weiter mit der Reihe? Gibt es diesbezüglich schon konkrete Pläne?

Gisa Klönne: Ich will nichts versprechen – aber Ekaterina ist wirklich sehr spannend und eigenwillig. Die Chancen stehen also recht gut. Die ersten drei Fälle standen sehr schnell fest – jetzt bin ich langsamer, tüftele gerade an Judiths viertem Fall. Da will ich aber noch nichts zu verraten. ( ... )

Das vollständige Interview lesen Sie hier: www.krimi-forum.de