"Gisa Klönne entwickelt Charaktere von beklemmender Authentizität. Eine fesselnde Lektüre."

Hamburger Abendblatt

Interview

VOM SCHREIBEN, PLANEN UND PLOTTEN

Die Web-Bloggerin Aveleen Avide interviewte Gisa Klönne im April 2008. (Auszug aus dem Interview)

Avaleen Avide: Journalistisch schreiben ist sehr gegensätzlich zum Schreiben von belletristischen Büchern. Wann hat es Sie gepackt, einen Roman zu schreiben?

Gisa Klönne: So gegensätzlich ist das gar nicht. Ich habe als Journalistin viel Handwerkliches über das Schreiben und sprachliche Stilmittel gelernt, auch die sehr wichtige Fähigkeit, Distanz zum eigenen Text zu entwickeln, kürzen zu können - und zu recherchieren. All dies kommt heute meinen Romanen zugute. Dass ich letztendlich Romane schreiben wollte, wusste ich immer. Ich habe meinen ersten Roman, DER WALD IST SCHWEIGEN, neben meiner Tätigkeit als Journalistin geschrieben, das war eine harte Zeit. Ich hatte ja keine Ahnung, ob er je erscheinen würde, dachte manches Mal, ich bin verrückt, für diesen Traum einen guten Job sausen zu lassen. Aber ich wusste auch: Ich muss das tun, sonst werde ich unglücklich. Bis zu meinem 40. Geburtstag sollte mein erstes Buch fertig sein, hatte ich mir geschworen – und vier Tage vorher war es das.

Avaleen Avide: Dieser erste Roman "Der Wald ist Schweigen" war 2006 für den Friedrich-Glauser-Krimipreis der Autoren als bestes Debüt nominiert. Sie haben zwar den Preis nicht erhalten, aber was hat Ihnen diese Nominierung bedeutet?

Gisa Klönne: Unter knapp 100 Neuerscheinungen überhaupt nominiert zu sein, noch dazu von KollegInnen, das ist schon toll, eine Ehre. Einer von fünf Nominierten bekommt dann den Preis. Klar will jeder den Preis haben, aber das geht eben nicht und da hilft nur: Trotzdem feiern und weiter schreiben

Avaleen Avide: Sie erhalten sehr gute Rezensionen für jedes Ihrer Bücher. Was geben Ihnen Rezensionen?

Gisa Klönne: Dasselbe wie Nominierungen und Preise: Bestärkung. Doch fast noch wichtiger sind mir die Meinungen meiner Leser und Leserinnen, und die Tatsache, dass meine Bücher sie begeistern und berühren – und sich deshalb gut verkaufen.

Avaleen Avide: Inzwischen ist Ihr 3. Krimi erschienen: "Nacht ohne Schatten", mit dem Sie auf Lesereise sind. Darin geht es um Gewalt gegen Frauen. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Krimi?

Gisa Klönne: Meine Romane spielen ja in der Gegenwart, und da ist Gewalt gegen Frauen leider noch immer ein alltägliches Phänomen – was mich seit langem beschäftigt. Als Romanthema habe ich das aber vor allem gewählt, weil es meine Kommissarin Judith Krieger mit ihrer politischen Vergangenheit konfrontiert. In der Biografie, die ich für sie erfunden habe, hat sie ja während ihres Jurastudiums als Nachtwächterin in einem Frauenhaus gejobbt. Nun, in ihrem dritten Fall, holt sie diese Zeit wieder ein: Ihre alten Ideale von damals – und auch die Erkenntnis, gegen Frauenhasser nicht gewinnen zu können. Das nimmtJudith sehr persönlich. Und ihr Kollege Manni Korzilius versteht sie immer weniger – es gibt Streit und Missverständnisse zwischen den beiden, was die Ermittlungen noch komplizierter macht und die Spannung erhöht. Und das ist für mich als Krimiautorin natürlich sehr wünschenswert.

Avaleen Avide: War Ihnen sofort klar, wie Sie Judith Krieger anlegen wollten?

Gisa Klönne: Nein, gar nicht. Ich habe, bevor ich die Serie zu schreiben begann, sehr lange überlegt, wie eine Hauptfigur sein muss, die mich so fasziniert, dass sie für mehrere Romane trägt. Ich habe sowohl Judith als auch ihren Kollegen Manni Korzilius mit vielen Facetten angelegt. Ich wollte schließlich zwei starke Figuren haben, mit Ecken, Kanten, Widersprüchen, Geheimnissen, Ängsten und Verletzungen – Figuren, die sich immer weiter entwickeln können. Die beiden arbeiten ja auch nicht konfliktfrei zusammen, lernen sich erst langsam zu schätzen, weil sie so verschieden sind.

Avaleen Avide: Wie gehen Sie generell an Ihre Hauptprotagonisten heran? Schreiben Sie ein ausführliches Exposee, machen Sie ein Interview mit der Person? Oder machen Sie es gar ganz anders?

Gisa Klönne: Ich entwickele eine Biografie für all meine Hauptfiguren, überlege mir Vorlieben, Aussehen, Freunde, Feinde, Ausbildung etc. ebenso wie eine typische, individuelle Sprache und typische Verhaltensweisen, die ihre Persönlichkeit transportieren. Im Roman taucht dann immer nur ein Bruchteil all dieser Details auf – aber ich muss meine Figuren sehr gut kennen, damit sie für die LeserInnen lebendig und wahrhaftig werden.

Avaleen Avide: Wie gingen Sie an den Plot zu "Nacht ohne Schatten" heran - oder vielleicht an all Ihre Plots?

Gisa Klönne: Ich bin eine Planerin, was sicher auch daran liegt, dass ich immer aus mehreren Perspektiven erzähle. Ich entwickle die Handlung und den Spannungsbogen vorab, überlege, aus wessen Perspektive ich welches Ereignis am besten erzähle, kenne natürlich den Täter. Ich skizziere all das auf einem Szenenplan, der mir dann beim Schreiben hilft, den Überblick zu behalten.

Avaleen Avide: Manche Autoren schreiben lieber Dialoge, andere szenische Darstellungen und wieder andere Charaktere. Bevorzugen Sie eines der angesprochenen Dinge - mögen Sie alles gleich gerne oder anders gefragt, liegt Ihnen alles gleich gut?

Gisa Klönne: Nein, das kommt immer drauf an. Die Wahl sprachlicher Stilmittel muss zum Thema, zur einzelnen Szene passen – das ist das Wichtigste, darüber mache ich mir Gedanken. Der Rest ist dann teils Intuition und teils harte Arbeit. ( ... )

Das vollständige Interview: aveleen-avide.blog.de