Im Auftrag der Kölnischen Rundschau interviewte der Autor Bernd Imgrund Gisa Klönne im März 2011 über ihre Arbeit als Schriftstellerin in Köln.
Kölnische Rundschau:In Ihrem Nachnamen steckt das Wort „Köln“. Was halten Sie davon?Gisa Klönne:Das passt doch. Aber ehrlich gesagt habe ich früher nicht geahnt, dass ich mal in Köln landen würde.
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Kölnische Rundschau:Warum ist Bier erst Ihr drittliebstes Getränk nach Tee und Wasser?
Gisa Klönne:Weil ich gerne klar im Kopf bin.
Kölnische Rundschau:Welchen Tee?
Gisa Klönne:Morgens schwarzen – ein bisschen Rausch muss sein. Aber dann wechsele ich sehr schnell zu Rooibusch.
Kölnische Rundschau:Nur Tee beim Schreiben?
Gisa Klönne:Ja, ich kann das nur nüchtern. Schreiben ist für mich Arbeit, und während der Arbeit trinke ich nichts.
Kölnische Rundschau:Gibt es nicht manche Passage, die mit einem kleinen Schwips besser wird?
Gisa Klönne:Finde ich nicht. Ein Schwips oder Rausch mag zwar enthemmen, doch das, was man dann schreibt, muss normalerweise auch am stärksten überarbeitet werden. Ich bin ohnehin ziemlich streng mit mir beim Redigieren. Ein Kriminalroman verlangt nach einer klaren Dramaturgie.
Kölnische Rundschau:Ich kenne auch Krimiautoren, die erstmal drauflos schreiben und sich ihren Fall en passant erarbeiten.
Gisa Klönne:Kann man machen, ist aber nicht mein Ding. Das Schreiben ohne Konzept ist auch unökonomisch, wenn man einen Roman wie ich aus mehreren Perspektiven erzählt. Änderungen im Nachhinein kosten viel Extrazeit, weil man alle Erzählstränge aufeinander abstimmen muss.
Kölnische Rundschau:Schreiben ist Arbeit, sagen Sie. Also von 8 bis 5?
Gisa Klönne:Eher ab 10, aber mit offenem Ende. Meine Bioenergiekurve ist definitiv später am Tag besser als am frühen Morgen
Kölnische Rundschau:Sie benutzen keine direkten Rauschmittel, aber Musik schon?
Gisa Klönne:Ja, Musik ist wichtig. Als Inspiration, aber auch in meinen Romanen.
Kölnische Rundschau:Sie haben in der Südstadt gewohnt, St. Pantaleon taucht in einem Ihrer Bücher auf. Gefällt Ihnen die Kirche?
Gisa Klönne:Als Kirche ja, und der Park mit der hohen Mauer drum rum war für FARBEN DER SCHULD ein perfektes Setting. Als Institution gefällt mir St. Pantaleon jedoch nicht. Das ist eine Opus-Dei-Kirche.
Kölnische Rundschau:Im Innern der Kirche steht der Sarg einer sehr berühmten Kölnerin.
Gisa Klönne:Theophanu, genau! Die Deutsche Kaiserin.
Kölnische Rundschau:Theophanu war offenbar eine starke Frau. Und Sie in Ihrem früheren Leben Emma-Redakteurin. Worum ging es Ihnen dabei?
Gisa Klönne:Es ging mir um Gerechtigkeit, genau wie meiner Kommissarin Judith Krieger. Ich wollte die Welt ein bisschen besser machen.
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Kölnische Rundschau:Für Ihre Bücher mögen Sie nicht das Label „Köln-Krimis“. „Frauen-Krimis“ vermutlich auch nicht.
Gisa Klönne:Nein. Was soll das denn sein, ein Frauen-Krimi?
Kölnische Rundschau:Ein Krimi, der frauenspezifische Themen aufgreift und hauptsächlich von Frauen gelesen wird.
Gisa Klönne:Es gibt sicher Klischeekrimis mit Kuschelfaktor für Frauen. Es gibt ja auch Männer-Krimis, in denen Frauen nur als Leiche, Nutte oder Dummchen vorkommen.
Kölnische Rundschau:Was ist an Judith Krieger typisch Frau?
Gisa Klönne:Was ist typisch Frau? Meine Kommissarin ist auf jeden Fall eine sensible Persönlichkeit, sie zweifelt und grübelt viel, sie ist intuitiv und ziemlich stur, wenn’s drauf ankommt. Sie weiß, dass die Welt nicht gerecht ist, und dennoch kämpft sie dafür.
Kölnische Rundschau:Sie haben den Glauser-Preis gewonnen, sind aber auch, und diese Auszeichnung finde ich noch interessanter, Ehrenkommissarin der Bonner Kripo. Wie kamen Sie dazu?
Gisa Klönne:Im dortigen Präsidium werden regelmäßig Lesungen organisiert und während meiner Lesung saßen auch viele Polizisten im Publikum. Am Ende ernannten sie mich zur Ehrenkommissarin mit der Begründung, dass ich das Seelenleben der Polizisten so gut darstelle. Vor mir hat übrigens Reiner Calmund diesen Titel bekommen.
Kölnische Rundschau:Ist der mit irgendwelchen Verpflichtungen verbunden?
Gisa Klönne:Nein, und auch nicht mit Befugnissen.
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Kölnische Rundschau:Ihr Kollege Heinrich Steinfest hat gerade einen Auftragskrimi über Stuttgart 21 geschrieben. Wäre das für Sie auch denkbar?
Gisa Klönne:Das käme drauf an. Ich gehe sehr von den Figuren aus, die müssen psychologisch stimmig sein. Ein gutes Thema alleine reicht nicht.
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Das vollständige Interview erschien am 19. März 2011 in der Kölnischen Rundschau. Veröffentlichung in Auszügen mit freundlicher Genehmigung des Autors Bernd Imgrund.

