„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 02. Mai 2008

Gegensätze

Das Leben einer Autorin besteht aus Gegensätzen. Während des Schreibens zum Beispiel: Glücksgefühle, weil das Schreiben leicht fällt, alles sich wie von selbst zusammenfügt, wechseln sich ab mit dumpfem Auf-der-Stelle-Treten, wenn plötzlich kein Satz mehr zu stimmen scheint, nichts einen Sinn ergibt. Warum tu ich mir das an, frage ich mich dann schon mal. Nur um am nächsten oder übernächsten Tag, wenn sich der Knoten gelöst hat, wieder der Überzeugung zu sein: Nichts ist schöner, als einen Roman zu schreiben!

Noch größer ist der Gegensatz zwischen Schreibphase und Lesereise. Monatelang hat man sich notgedrungener Weise abgeschottet, hat die Kommunikation mit Familie, FreundInnen und KollegInnen auf ein Minimum beschränkt. Hat zurückgezogen zwischen Schreibtisch, Notizbüchern und Szenenplan geschuftet. Dann plötzlich ist das Buch gedruckt und man ist unterwegs und trifft während der Lesereise so viele Menschen und redet so viel, wie lange nicht mehr. Da sind sie plötzlich, all die Fans, die während des Schreibens allenfalls eine abstrakte Größe waren.

Zurück am Schreibtisch, allein, besteht dann die Kunst darin, diese Gegensätze zu akzeptieren – und auch die Leere auszuhalten, die nach einer vollen Lesewoche mit unzähligen Begegnungen hin und wieder entsteht. Alles fließt. Nichts bleibt gleich. Das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis. Und manchmal dennoch sehr beruhigend.