Notizbuch Eintrag 28. Mai 2008
Entlegen
Die griechische Insel Karpathos gilt als eher unbekannt. Ein „von Stürmen umbraustes Eiland“ hat Homer sie angeblich mal genannt. Karg ist sie. Und auch das Reisehandbuch verheißt ein paar tausend Jahre später die Aussicht auf einen Urlaub ohne Bars mit Sport-Übertragungen und Strandanimation. Es gebe im Norden der Insel ein Bergdorf, das nur per Boot oder über eine Schotterpiste zu erreichen sei, las ich. Die Frauen in diesem Dorf liefen teils noch in Trachten herum und backten Brot in Steinöfen. Strom gebe es erst seit 1982, und wenn man es gern ruhig und ursprünglich möge, solle man sich unbedingt in diesem Bergdorf einquartieren.
Mir war nach mehreren Monaten Lesereise durchaus sehr nach Entlegenheit. Ein bisschen skeptisch war ich jedoch auch. Man fragt sich ja schon, wie entlegen ein Ort in Europa sein kann, wenn man im Reiseführer drüber lesen und per Telefon oder Internet dort ein Zimmer reservieren kann. Zum Glück habe ich dann aber genau das gefunden, was ich brauchte: Felsen und Stille. Wind und Licht über der Ägäis. Einsame Strände. Bergpfade, die man nur mit Ziegen, Schafen und Eseln teilt. Irgendwann - ohne dass ich mich darum bemühte – kamen dann plötzlich die Ideen zurück. Ideen für Geschichten, die ich in den nächsten Wochen schreiben muss. Eine wird ihren Anfang sogar auf Karpathos nehmen. Doch davon demnächst mehr.
