„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 10. Juni 2008

Schreiben

Die Lesereise des Frühjahrs ist vorbei. Jetzt heißt es wieder schreiben. Erst zwei Kurzgeschichten. Danach den nächsten Judith-Krieger-Roman. Geht das so einfach, nach Monaten Lesereise und allenfalls hastig in Schreibkladden gekritzelten Gedankenfetzen? Kann man so einfach umschalten, den Computer anschmeißen und los geht’s? Diese Frage wird mir sehr oft gestellt – und eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht.

Zunächst einmal überwiegt beim Anblick des leeren Word-Dokuments auf dem Bildschirm die Freude. So viele Ideen sind in den letzten Monaten entstanden. Im Urlaub zum Beispiel oder am Rande einer Lesung. Jetzt endlich habe ich die Zeit, sie zu Ende zu denken. Was zum Beispiel passiert, wenn sich ein Mann mit dunkler Vergangenheit jahrelang vor seinen Häschern auf einer entlegenen griechischen Insel versteckt hat und dann – quasi als Weihnachtspaket – den Befehl erhält zu töten? Diese Idee trägt, das kann ich spüren, sie ist das Grundgerüst für die erste Kurzgeschichte.

Doch das ist leider erst der Anfang. Wer ist dieser Mann, wie wird er diesen Konflikt lösen, welcher Erzählton und welches Erzähltempo passen zu ihm? Das sind nur einige von unzähligen Entscheidungen, die es zu treffen gilt. Und so hat mich plötzlich der Schreiballtag wieder: Ein steter Mix aus Begeisterung und Zweifeln, untermalt vom Klackern der Computertastatur.