„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 07. November 2008

Ruhe

Hin und wieder treffe ich auf Autoren, die schwören, selbst während einer Lesereise unverdrossen ihr tägliches Seitenpensum in den Laptop zu hacken. Jo Nesbø zum Beispiel. Fremde Städte, Restaurants, sterile Hotelzimmer? Stört ihn angeblich alles nicht. Auch von Elizabeth George weiß ich, dass sie während einer Deutschlandreise selbst in einem vollkommen überfüllten Zugabteil stoisch ihre täglichen fünf Seiten tippte. Und Norbert Horst hat mir mal erzählt, dass er einzelne Romanszenen beim Autofahren ins Diktafon spricht.

Ich selbst bin da anders. Ich brauche Ruhe, sehr viel Ruhe, wenn ich einen neuen Roman erschaffe, und ich schreibe am besten in meinem eigenen Arbeitszimmer. Während einer Lesereise kann ich Szenen überarbeiten, Szenen planen, über Figuren und Handlungsstränge nachdenken. Aber schreiben? Wirklich richtig tief eintauchen in die fiktionale Welt, während in regelmäßigen Abständen eine Bahndurchsage auf Deutsch und miesem Englisch Verspätungen und Anschlussverbindungen in mein Ohr quäkt und dauertelefonierende Zeitgenossen meinen IPod übertönen?

Mir fällt das schwer und so bin ich gerade ziemlich froh, dass die Krimifestival-Herbstsaison für mich nun fast beendet ist. So schön all die Lesungen und Begegnungen waren – meine Konzentration auf den neuen Fall von Judith und Manni haben sie nicht gerade gefördert. Jetzt wird das wieder anders, jetzt hat mich der Schreiballtag wieder. Und auch wenn der seine eigenen Tücken hat, freue ich mich.