„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 17. August 2009

Kreative Pausen

Seit Mai habe ich hier an dieser Stelle geschwiegen, wie einige aufmerksame LeserInnen sehr richtig bemerkten. Das war eigentlich nicht so geplant, und es ist auch keineswegs so, dass mich die Auszeichnung mit dem Friedrich-Glauser-Preis schlagartig verstummen ließ. Mir fehlte schlichtweg die Zeit, hier etwas Neues zu schreiben, vielleicht auch einfach die Inspiration.

Mein neuer Roman, FARBEN DER SCHULD, war zwar schon fertig geschrieben. Doch auch der letzte Feinschliff nach dem Lektorat macht ja noch einmal richtig viel Arbeit und erfordert volle Konzentration. Zudem mussten noch die Klappentexte gecheckt werden. Die ersten Interviews gegeben und die Lesereise vorbereitet. Ich war nach einem sehr arbeitsreichen Jahr wohl auch ziemlich ausgebrannt und brauchte dringend eine Pause.

Nun liegen ein paar herrlich erholsame Urlaubswochen hinter mir. Kostbare Zeit am lauen indischen Ozean. Das Geräusch der Brandung. Die Lichtstimmungen über dem Wasser, beständig wechselnd. Ruhe, die weder von E-Mails oder anderen Nachrichten aus dem weit entfernten Deutschland durchbrochen wurde. Nicht einmal Kriminalromane hatte ich diesmal im Gepäck. Selbst mein Notizbuch ließ ich im Koffer. Ich brauchte es nicht. Mir fiel einfach nichts ein.

Kann ein solch absichtsloses Nichtstun kreativ sein? Ich glaube, ja, und höre dies auch von anderen KollegInnen. Ideen brauchen Raum. Etwas Neues kann nur erfinden, wer das Alte hinter sich lässt und auch die Leere aushält, die sich nach langen Monaten disziplinierten Schreibens unweigerlich einstellt. Nur wer seine Quellen auffüllt, kann wieder aus ihnen schöpfen.

Und tatsächlich: Es funktioniert. Jetzt, wieder zurück in Deutschland, ganz allmählich und noch völlig unsortiert, bekomme ich wieder ein paar Ideen. Ich weiß zwar noch nicht, ob und wenn ja, wohin sie mich tragen. Aber sie sind da.