„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 27. Oktober 2009

Ideen

Manchmal male ich mir aus, wie angenehm mein Leben doch sein könnte, wenn mich jemand für meine Ideen bezahlen würde. Die Welt ist schließlich rund und bunt. So viele Geschichten scheinen nur darauf zu warten, endlich einmal erzählt zu werden. Bin ich dann noch in der richtigen Stimmung, wirkt beinahe alles enorm inspirierend: Ein flüchtiger Blick beim Joggen auf einen einsamen Spaziergänger, der seinen Hund durch den Regen führt. Eine Lichtstimmung am Herbsthimmel oder ein bestimmter Geruch. Eine Zeitungsreportage über die Psychologie eines Verbrechens, die noch längst nicht alles erklärt. Oder die Erinnerung an ein beinahe vergessenes Glück.

Mein Schriftstellerleben könnte also ganz einfach sein. Doch leider macht es bei weitem mehr Arbeit, Ideen zu einem Roman zu verarbeiten, als sie einfach nur zu haben. Und ganz davon abgesehen erweisen sich viele Ideen bei näherer Betrachtung als längst nicht so tragfähig wie im ersten Überschwang. Ich verfolge sie weiter, spiele mit ihnen ... Und dann - oft genau so schnell, wie sie mir zugeflogen sind - verpuffen sie wieder. Oder sie langweilen mich, noch bevor ich mit dem Schreiben auch nur begonnen habe. Das war alles schon da, denke ich dann zum Beispiel. Oder: Das führt nirgendwohin, ist nicht spannend genug. Zu oberflächlich. Nicht wahrhaftig ...

Natürlich, in gewisser Weise ist keine Idee wirklich neu und beinahe jede Geschichte ist schon einmal erzählt worden. Und trotzdem ist es möglich, etwas neu zu erzählen. Anders. Auf ganz einzigartige Weise. Viele Faktoren müssen zusammenkommen, damit das gelingt. Doch am Anfang steht die Entscheidung für eine Idee. Die richtige Idee nämlich. Die etwas in mir zum klingen bringt. Die mich wirklich packt und nicht mehr loslässt. Wie dann hoffentlich später auch meine LeserInnen ...