Notizbuch Eintrag 29. Juli 2008
Figuren erfinden
Das Exposé ist fertig, die ersten Seiten des vierten Judith Krieger-Romans sind schon geschrieben. Vor allem aber beschäftige ich mich zur Zeit mit den Figuren. Neue Protagonisten erwachen in meinem Kopf zum Leben, nehmen immer mehr Raum meiner Gedanken ein. Zwar stehen ihre Haupteigenschaften und die Rollen, die sie in diesem Buch spielen werden, bereits fest. Doch noch längst weiß ich genug über sie. So viele Entscheidungen gilt es in den nächsten Wochen zu treffen: Aussehen, Vorlieben, Beruf, Name, Freunde, Feinde, Familie, Bildung, Hobbys, Vergangenheit, Traumata, Beziehungen, Sexualität, Ziele muss ich für jede meiner Figuren erfinden. Ein ganzes Leben für jede Figur, von dem ich im Roman dann oft nur Bruchstücke verwende.
Hinzu kommen die bereits bekannten Figuren. Mein Ermittlerteam Judith Krieger und Manni Korzilius, die Rechtsmedizinerin Ekaterina Petrowa. Während der letzten Monate haben sie geschwiegen. Nun erwecke ich ihre Stimmen wieder zum Leben, und sehr schnell sind sie wieder da, erfordern meine Aufmerksamkeit. Auch Judith und Manni sind ja nicht fertig erschaffen, schließlich entwickeln sie sich ja weiter. Sie müssen wachsen, kämpfen, lieben, scheitern, wieder aufstehen... Schließlich werden sie in diesem vierten Roman mit einer neuen Handlung, einem neuen Verbrechen – und mit neuen Figuren - konfrontiert. Schuld ist wie gesagt das Thema dieses vierten Romans (siehe 14. Juli). Doch das wirft natürlich sofort weitere Fragen auf. Wie geht Manni damit um, wie Judith? Wer neigt mehr zum schlechten Gewissen? Diese Antwort zumindest erscheint zunächst einfach: Eindeutig Judith. Doch vielleicht ändert sich das ja?
