Notizbuch Eintrag 17. August 2008
Sympathie
Wie sympathisch muss eine literarische Figur eigentlich sein, um Leserinnen und Leser so richtig zu fesseln? Über diese Frage fachsimpelte ich neulich mit meiner Kollegin Mila Lippke („Der Puppensammler“). Wir saßen in einem Biergarten, genossen den lauen Sommerabend, sprachen über unsere aktuellen Romane und ihre Hauptfiguren, über die bevorstehende Krimifestival-Herbstsaison und natürlich auch über Bücher, die wir in letzter Zeit gelesen hatten.
Irgendwann landeten wir dann bei dem Ermittlerduo, das der schwedische Krimikönig Stieg Larsson erfunden hat: Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Er ist Journalist, Workaholic und Frauenheld. Sie ist eine magersüchtige, tätowierte Einzelgängerin mit autistischen Zügen und außerdem eine skrupellose Hackerin.
Konflikte sind also garantiert. Man liest wie die beiden sich missverstehen, annähern, bekämpfen, lieben, allein agieren, doch wieder aufeinander treffen... Man frisst sich durch hunderte Seiten und mehrere Bände und weiß die ganze Zeit: Streng genommen sympathisch sind die beiden nicht. Und eigentlich ist das alles nicht wirklich realistisch.
Aber - Realität und Sympathie hin oder her: Das Duo Blomkvist und Salander funktioniert perfekt in seiner literarischen Welt. Die beiden reißen mit und faszinieren, obwohl - oder gerade weil – man die ganze Zeit weiß, im richtigen Leben fände man das Zusammensein mit diesen beiden schrulligen Egomanen eher schwierig.
Doch andererseits tun sie Dinge, die man selbst weder beherrscht, noch wagen würde. Und natürlich haben sie das Herz am richtigen Fleck. Sie kämpfen gegen Frauenhasser und Nazis und die Mafia, sie kämpfen also letztendlich mit aller Kraft und allen Mitteln für eine gute Sache: Gerechtigkeit.
