Notizbuch Eintrag 01. September 2008
Glück
Was haben eine Mitarbeiterin der katholischen Telefonseelsorge, ein Karatetrainer und Träger des 3. Dan, ein Drogenfahnder und ein Polizeipriester gemeinsam? Sie alle haben mir in den letzten Wochen viele Fragen beantwortet. Sie haben mich an ihren Arbeitsplatz oder auch zu sich nach Hause eingeladen und sich die Zeit genommen, sich mit mir gemeinsam tief in mein Konstrukt von Judith Kriegers viertem Fall hineinzudenken.
Ich habe in diesen Gesprächen erfahren, dass ich mit dem, was ich mir ausgedacht habe, durchaus nah an der Realität liege. Und gleichzeitig haben sich neue Ideen ergeben, Ideen, von denen ich sofort wusste: Genau dieses Detail hat mir noch gefehlt. Genau das habe ich noch gebraucht.
Manchmal ist so ein Detail etwas Grundlegendes, was mit einem Beruf zu tun hat, den ich vor so einem Gespräch noch nicht von innen kenne. Oft ist es auch eher eine Kleinigkeit, etwas völlig Selbstverständliches für diejenigen, die täglich damit zu tun haben. Aber für mich ist es trotzdem vollkommen neu, und wenn ich auf so ein Detail stoße, kann ich fast körperlich spüren, wie es mein Schreiben beflügeln wird.
Die Erkenntnis etwa, dass für die Mitarbeiter der Telefonseelsorge die gesamte sinnliche Wahrnehmung aufs Hören konzentriert ist, beinahe so als wären sie blind. Oder dass ein perfekter Karateschlag innere Leere voraussetzt. Da sitze ich also nach so einem Gespräch und fülle Seite um Seite in dem Notizbuch, das mich beim Romanschreiben immer begleitet. Ich bin dann sehr froh und dankbar und liebe meinen Beruf!
