Notizbuch Eintrag 09. Februar 2009
Schreiben
„Ich nähere mich den Inhalten über die Sprache. Ich taste mich schreibend an Themen heran.“ Dieses Zitat stammt nicht von mir, sondern von einer der namhaftesten Journalistinnen Deutschlands. Eva Kohlrusch ist Starkolumnistin der Zeitschrift Bunte. Sie war in den 80er Jahren die erste Frau in der Bild-Chefredaktion. Und sie ist seit einigen Jahren Vorsitzende des Journalistinnenbunds, eines bundesweiten Berufsnetzwerks von Journalistinnen, dem ich seit vielen Jahren angehöre.
Es war während eines Stammtischtreffens des Journalistinnenbundes in Köln, dass Eva Kohlrusch ihre Herangehensweise an das Schreiben erläuterte. Und obwohl ein Roman ja etwas völlig anderes ist als eine Kolumne, wusste ich sofort: Ja, ich verstehe ganz genau, was sie meint, denn genau so geht es mir auch. Genau das tue ich, wenn ich eine Textpassage meines Romans wieder und wieder überarbeite, umstelle, straffe, verwerfe, neu erschaffe. Natürlich weiß ich vorab ungefähr, was ich sagen will. Doch erst durch das Experimentieren mit Wörtern gelange ich wirklich zum Kern, so dass ich eine Szene dann irgendwann stehen lassen kann und beinahe körperlich spüre: Ja, so ist es gut.
„Synthetisches Denken“ nennt Eva Kohlrusch ihre Art zu Schreiben übrigens, was ja in seiner Hauptbedeutung „zusammensetzend“ bedeutet. Und auch das erklärt ganz wunderbar, was beim Schreiben eines Kriminalromans passiert. Zuerst sind Ideen da, Figuren, eine Tat, ein Motiv - Fragmente. Und dann, nach und nach, ergibt sich daraus ein Ganzes mit einer übergeordneten Bedeutung, die mitschwingt, ohne zu offensichtlich zu sein. Hoffentlich ...
Die Redaktion des Stern soll für Eva Kohlruschs Kolumnen übrigens durchaus bewundernd den Begriff "ein Thema kohlruschen" geprägt haben. Mehr über den Journalistinnenbund gibt es im Internet unter www.journalistinnen.de
