„Schlafende Schwäne gleiten über das Wasser wie Träume. Sie hält inne, sieht ihnen zu.“

NACHT OHNE SCHATTEN

Notizbuch Eintrag 30. September 2009

Lesereise

Wie im Flug ist dieser Sommer vergangen. Ein Sommer, den ich sehr genossen habe, weil ich mir den Luxus gönnte ganz ohne Termindruck, quasi ins Blaue hinein, über neue Buchprojekte nachzudenken. Nun aber ist diese Ruhe vorbei, denn am 29. September hat meine Lesereise begonnen, die mich in den kommenden Monaten in viele Regionen Deutschlands führen wird.

Zum Auftakt las ich in Köln. Dort, wo ich selbst lebe und wo auch meine Figuren agieren. Ein Heimspiel war dieser Abend in der Mayerschen Buchhandlung also - sehr gut besucht, wunderbar moderiert von der WDR-Journalistin Antje Deistler. Und natürlich saßen auch viele FreundInnen und KollegInnen im Publikum, was diese Premiere nur umso schöner machte. Mit auf der Bühne saß einer der Menschen, die mir während der Recherchen zu FARBEN DER SCHULD ihr Wissen zur Verfügung gestellt hatten: Michael Pulger, Priester und Polizeiseelsorger mit Humor und Tiefgang. Er weiß so einiges über Polizistenseelen zu berichten und machte deutlich, dass ich mit den Problemen und Nöten, die ich meinen Ermittlern Judith Krieger und Manni Korzilius auf den Leib geschrieben habe, durchaus sehr nah an der Wahrheit liege.

Welche Textstellen lese ich, um auf das Buch neugierig zu machen und die wesentliche Themen und Figuren vorzustellen – ohne jedoch schon zu viel zu verraten? Welche Szenen muss ich für die Lesung noch kürzen? Das sind Entscheidungen, die sehr viel Zeit erfordern. Denn eine gelungene Lesung ist mehr als bloßes Vorlesen. Sie ist ein komplexes Mosaik mit einer genau geplanten Dramturgie. Dafür verdichte ich einige Szene noch einmal, erwäge die Reihenfolge, überlege, was ich an Hintergrundinformationen zum Roman, zu den Figuren und zu meiner Arbeitsweise erzähle, damit das Ergebnis dann für das Publikum möglichst spannend ist.

Und doch - trotz aller Vorbereitung und Erfahrung. Letztendlich kann man nur live ausprobieren, ob der viel zitierte Funken aufs Publikum überspringt. So ist die erste Lesung mit einem neuen Buch immer etwas ganz Besonderes. Und wie schön war es nun bei der Premiere zu spüren: Ja, es funktioniert. Es funktioniert sogar ganz ausgezeichnet.

„Sind Sie vor Lesungen eigentlich noch nervös?“, werde ich oft gefragt. Und die Antwort lautet: Ja, ein bisschen. Natürlich. Besonders bei den ersten Lesungen mit einem neuen Buch. Aber ein anderes Gefühl ist noch stärker: Die Freude darauf, meinen Figuren und Sätzen nun auch meine Sprechstimme zu leihen und mit meinen Lesern und Leserinnen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht sitzen ja auch Sie bei einer Lesung im Publikum. Das würde mich freuen!