SCHAUPLATZ MECKLENBURG
Romanschauplatz

„Der Himmel öffnete sich und sah nun viel höher und weiter aus.“

Romanschauplatz

„Alleebäume kamen in Sicht, archaische Riesen mit narbigen Stämmen. Eine Art stille Melancholie schien auf der Landschaft zu ruhen und ließ sie altmodisch aussehen, aus der Zeit gefallen.“

Romanschauplatz

„Das Haus war im Laufe der Jahre schief geworden und wirkte winzig im Vergleich zu der Kirche und zu dem Baum, dessen mächtige Krone über ihm in den Himmel wuchs. Die Fassade bestand aus rotem Backstein und Fachwerk, aus den Ritzen kroch Efeu. “

Romanschauplatz

„Manchmal war es so still, dass ich sicher war, ich könnte auch hören, wie der Efeu aus seiner Winterstarre erwachte und zu wachsen begann, Ranken und Blätter, die an der Hauswand hinaufkrochen, feinste Haarwurzeln, die unaufhaltsam in den Mörtel drangen und in die Risse der Ziegelsteine, sich dort festkrallten und nicht mehr losließen.“

Romanschauplatz

„Wir ersannen Spiele und Rituale, geheime, verbotene: Das Tauchspiel. Das Hühnerorakel. Die Mutprobe mit den Bienen. Da war so ein Wispern im Schilf, dessen Ursache wir niemals herausfinden konnten.“

Romanschauplatz

„Wir waren frei und uns selbst überlassen, und das Glück war die meiste Zeit so selbstverständlich, dass wir es nicht einmal richtig bemerkten.“

Romanschauplatz

„Wispern. Zischeln. Vereinzeltes Glucksen. Der Kahn war morsch, lag halb unter Wasser. Doch der Steg, der am Bootsschuppen entlang hinaus aufs Wasser führte, war vor nicht allzu langer Zeit erneuert worden, und der Schuppen selbst mit einem soliden Schloss gesichert.“

Romanschauplatz

„Wir schritten bergan, einen sandigen Pfad zwischen Birken hinauf, links und rechts Blumen mit Namen wie aus einem Märchenbuch: Wiesenschaumkraut und Männertreu. Sumpfdotterblume und Wegwarte und die Wilde Möhre, die sich von der Schafgarbe dadurch unterschied, dass, wie mein Großvater mir erklärte, inmitten ihrer Teller aus winzigen weißen Sternen ein schwarzer Punkt zu erkennen war, wie ein böses Schäfchen in einer Herde.“

DAS LIED DER STARE NACH DEM FROST
© Gisa Klönne